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Das Auslandsjahr mit allen Sinnen von Kristin

IJFD in Südafrika: IKhaya lika Baba

Als ich anfing über meinen Freiwilligendienst zu reflektieren, entschloss ich mich eine etwas andere Perspektive einzunehmen und mich insbesondere mit den menschlichen Sinnen zu beschäftigen. Ich habe mich damit befasst, wie meine fünf Sinne das Jahr in Südafrika erlebt haben und wodurch sie besonders gereizt wurden oder womit sie konfrontiert wurden. Meiner Meinung nach ist es wichtig, mit allen Sinnen dabei zu sein, um sich in einem fremden Land einzuleben. Auf diesem Weg möchte ich vermitteln, was ich erlebt und gelernt habe und womit ich mich beschäftigt habe.

Sehen

Südafrika ist bekannt als Land mit wunderschöner Natur, Meer und einer vielfältigen Tierwelt. All dies hab ich mit meinen eignen Augen gesehen und genießen können.  Gesehen habe ich, neben der Schönheit des Landes an sich, einige neue und zu Beginn fremde Gesichter. Diese Gesichter, seien sie von Leuten aus der Kirche, den Kindern und Mitarbeitern  im Kinderheim oder meinen Mitfreiwilligen, wurden mit der Zeit sehr vertraulich. Schließlich wurden diese Personen zu guten Freunden oder fast schon zu Familie. Ich habe so gelernt, nicht nur auf die Fassade zu schauen, sondern auf die Person dahinter. Jeder hat eine besondere Persönlichkeit und es ist in jedem Fall wichtig, genauer hinzuschauen, bevor man sich ein eingeschränktes Bild von einer Person macht.

Schmecken

Wenn ich mir „Das Geschmackserlebnis Südafrika“ vorstelle, kommt mir zuerst die teatime in den Sinn. Denn in Südafrika trinkt man zu jeder Tageszeit Kaffee oder Tee (üblicherweise Rooibus oder Schwarztee) und das auch, wenn es draußen über 30 Grad hat. Daran musste man sich anfangs erst mal gewöhnen. Doch durch wiederholtes Probieren können sich Geschmacksvorlieben auch ändern, habe ich gelernt. Außerdem ist für mich das gemeinsame Tee-/Kaffeetrinken auch ein Anzeichen der Gastfreundschaft der Südafrikaner. Schließlich kommt man bei einer Tasse Tee gut ins Gespräch. Dazu noch ein Stück Kuchen, typischerweise super süß, und die Runde ist perfekt. Was meinen Geschmacksnerv auch oft gereizt hat (vor allem wegen der Schärfe), war das indische Essen. Das Zululand ist nämlich auch das Zuhause von einigen Südafrikanern mit indischer Herkunft. So haben wir auch indische Freunde kennengelernt, die uns gerne mal bekocht haben. Das Essen ist also auch ein Beweis dafür, dass Südafrika ein sehr vielseitiges Land ist, das durch verschiedene Kulturen geprägt ist.

Hören

Was meine Ohren in Südafrika Tag ein Tag aus wahrgenommen haben sind die Sprachen Englisch und Zulu. Besonders letzere gefällt mir sehr und daher habe ich angefangen, eine der 11 Amtssprachen Südafrikas zu lernen. Freunde und die Mitarbeiterinnen bei iKhaya  haben mir freundlicherweise stets alles übersetzt, was ich wissen wollte und ich habe mir die neuen Vokabeln dann notiert. Außerdem hörte ich sehr gerne Zulumusik und zwar nicht nur auf den Straßen, wenn mal wieder Taxi lautstark vorbeifuhr. Zudem hörten wir in unserer WG sehr viel Lobpreismusik, was für mich auch neu war. Doch mir hat das sehr gefallen und auch der live worship sonntags in der Gemeinde war unglaublich gut. Ein nicht so schöner Klang, den meine Ohren leider auch oft wahrnehmen mussten, war das Geschrei und Weinen der Kinder. Da wir direkt neben dem Kinderheim wohnten hat man das dann auch noch am Feierabend gehört. Allerdings kann ich sagen, dass ich mich daran gewöhnt habe und eingesehen habe, dass es alltäglich und normal ist, dass Babys und Kleinkinder weinen. Egal ob man es hören will oder nicht, es gehört zur Arbeit mit Kindern dazu.

Riechen

Auch meine Nase wurde bei der Freiwilligenarbeit des Öfteren gereizt. Zum Beispiel, wenn ich mit den donations, also den Spenden der Supermärkte zu tun hatte. Denn offensichtlich sind dort die Hygienevorschriften nicht so streng wie bei uns in Deutschland. Daher hieß es beim Spendenabholen oftmals „Nase zu und durch“. Letztendlich  hat es sich jedoch immer gelohnt, denn was das Kinderheim alles gespendet bekommt, ist wirklich wertvoll und außerdem eine große Erleichterung für die Kasse der Kinderheims. Meine Nase kam außerdem täglich zum Einsatz wenn es darum ging, herauszufinden, ob es Zeit für eine neue Windel ist. Denn Dinge wie Windeln wechseln, den Kindern aufs Klo helfen oder sie anziehen, gehörten selbstverständlich auch dazu. Somit habe ich nun Fähigkeiten erlernt, die mir in Zukunft  mit meinen eigenen Kindern weiterhelfen können.

Fühlen

Hierbei gehe ich nun weniger auf den tatsächlichen Tastsinn ein, sondern auf das, wie man sich fühlt. Rückblickend kann ich sagen, dass ich mich recht schnell bei meiner Einsatzstelle wohlgefühlt habe. Das lag unter anderem an dem freundlichen und offen Auftreten der Leute dort und dem wunderschönen Gelände, auf welchem wir gelebt und gearbeitet haben. Zu Beginn fühlte ich mich jedoch mit den Kindern unsicher und war überfordert. Ich musste mich erst mal in die Arbeit “einfühlen“. Doch schlussendlich hat es mir außerordentlich gut gefallen.  Außerdem fühlte ich mich auch sehr gesegnet. Denn ich habe mir bewusst gemacht, dass ich durch diesen Freiwilligendienst  für das Reich Gottes arbeitete. Und insgesamt empfand ich das Jahr als großer Segen, denn es gab wirklich weder große Schwierigkeiten noch Krisen. Und wenn es gelegentlich kleine Konflikte gab, so habe ich diese mit Gottes Hilfe gut überwunden.

Sinneswandel

Zurück in Deutschland und nun der totale Sinneswandel? Teilweise. Ich habe einiges gelernt, mitgenommen und neue Erkenntnisse gewonnen. Ich habe es geliebt, in Südafrika zu leben und zu arbeiten, aber  bin trotzdem auch wieder glücklich, in Deutschland zu sein. Ich habe gelernt Dinge wertzuschätzen, die für mich davor normal waren. Das betrifft vor allem die Freiheit hier in Deutschland, die mit Sicherheit verbunden ist. Diese ist in Südafrika eher kritisch gewesen. Mitnehmen möchte ich, die Art und Weise, wie die Südafrikaner, die wir kennenlernten, Fremden begegneten. Ich möchte offen gegenüber anderen Kulturen sein. Das ist meiner Meinung nach heutzutage in Deutschland auch sehr wichtig. (...)

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