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Ein außergewöhnliches Fußballspiel: FC Musa SA gegen FC Stuttgart DE

Reporterin Julia berichtet aus Südafrika 2019_2020

 

Wir schreiben den 23 März 2020, das Wetter ist schön warm, ich würde sogar wagen zu sagen heiß, hier in Empangeni und jeder geht mit Freude aber auch Spannung, was einen heute erwarten wird, in dieses Fußballspiel.


Es spielt der FC Musa SA, mit 4 neuen Spielern, gegen den FC Stuttgart DE. Ich kann ihnen sagen, ich bin gespannt wie sich der FC Musa heute schlagen wird, denn in das Team kamen 4 neue ausländische Spieler, der erste Zwilling, der angebliche zweite Zwilling, die Inderin und der Computer Type, die die einheimische Sprache Zulu nicht wirklich beherrschen und auch Englisch ist nicht ihre Muttersprache. Als ich den Trainer fragte, wie die Spieler denn mittlerweile integriert seien, antwortete er selbstverständlich: „Sie gehören mittlerweile zur Familie, auch Essen sie mit uns manchmal zu Abend und kommen an Weihnachten zu uns ...“ Wer möchte denn nicht gerne in so einem Team spielen? Ich kann ihnen sagen, ich bin gespannt auf dieses Spiel heute Abend!

 

Bevor das Spiel los geht werfen wir einen kleinen Blick in die Kabine der südafrikanischen Mannschaft, wo der Trainer gerade die Teamansprache hält. Der Trainer erklärt ihnen nochmal ihr Mannschaftsmotto. Egal was da draußen jetzt passiert, wir spielen für Gott. Was ein Wahnsinns Motto. Man kann echt sagen, dass diese Mannschaft mit Gottes Hilfe spielt, dieses Vertrauen, diese Liebe gegenüber den Mitspielern, ihr Teamgeist, die Wertschätzung jedes einzelnen. Also ich will jetzt nicht gegen dieses Team spielen müssen, denn ich habe das Gefühl, dass sie in den letzten 7 Monaten viel lernen durften. Das ist doch der Wahnsinn! Bei diesem Team erkennt man einfach, dass sie für Gott spielen.

 

Jetzt richten wir unseren Blick zum Spielfeld, denn es geht gleich los, die Spieler machen sich von der Kabine auf den Weg zum Platz, doch was ist das? Eine Herde von Kühen versperrt ihnen den Weg. Zum Glück ist die indische Fußballspielerin dabei, die die Kuhsprache versteht und geschickt mit ihren Lauten die Kühe verscheuchen kann. Auf dem Weg zum Feld begegnen ihnen noch ein paar Affen, die aber nur am Rand sitzen und zuschauen. Die Spieler kümmern sich ganz liebevoll und mit vollem Einsatz um ihre Einlaufkinder, die verständlicher Weise Angst vor den Kühen und Affen haben. Die können einem auch Angst einjagen. Man merkt, dass die Spieler versuchen die Kinder zu beruhigen und ihnen zu helfen. Seht da, die Spieler versuchen dem einen Kind sogar noch schnell bei seinen Englisch und Mathe Hausaufgaben zu helfen. Das ist doch nicht zu glauben!

Respekt! Was können diese Leute eigentlich nicht?

Anpfiff, der Ball rollt, beim südafrikanischen Team ist noch keine Einheit da, sie wollen sich erstmals kennenlernen. Das erinnert mich an das erste Training von ihnen am 1 September 2019. Es gab Kommunikationsprobleme. Der angebliche zweite Zwilling brachte der Inderin ein neues Zulu Wort bei, von dem beide die Bedeutung nicht genau wussten. Wodurch natürlich peinliche Situationen nicht ausblieben. Sie wollen da draußen nicht wissen, was das Wort für eine Bedeutung hatte. Zum Glück haben es alle beteiligten mit Humor genommen. Puh! Glück gehabt! Hatten sie auch schon einmal so ein Missverständnis? Schreiben sie es gerne bei uns auf der Website in die Kommentare.

Aber wieder zurück zum Spiel. Was sehe ich da, schon nach ein paar Minuten scheint es, als ob sie sich schon ewig kennen. Sie sind das perfekte Team, der Ball ist auf der linken Seite, die Inderin flankt ihn in die Mitte ohne hinzusehen, doch sie weiß, dass da der erste Zwilling steht.

Und? Und?  Wird sie in machen? Sie macht ihn! Toooooooor! Das ist das eins zu null, das ist der Wahnsinn!

Die Leute hält es nicht mehr auf den Rängen, sie rasten aus. Der erste Zwilling fängt an zu tanzen, die Inderin und der angebliche zweite Zwilling eilen herbei und tanzen mit. Es ist ja unglaublich, wie sie in ihrer Freizeit auch noch Tanz Choreographien gelernt haben. Auch ihre neu gewonnenen Freunde und Fans sind völlig aus dem Häuschen, freuen sich mit ihnen und laden sie auch direkt zum Grillen am Wochenende ein. Wer hätte denn nicht gerne solche Freunde?  

Ach ich wäre auch gerne bei diesem Event dabei. Vielleicht sollte ich auch mal darüber nachdenken, Fußball anzufangen.

Zurück zum Spiel. Was sehe ich da? Die Ultras hohlen Bengalis raus, das kann gefährlich werden!  Auch die Spieler haben es schon gesehen und sind vorsichtig. Aber zum Glück sind Sicherheitsguards da und auch ein Zaun schützt die Spieler und Spielerinnen, dennoch heißt es: Aufpassen!

Es geht weiter, der Ball rollt wieder, der FC Musa spielt sich den Ball zu. Der FC Stuttgart hat Mühe an den Ball zu kommen, aber bei so einem eingespielten Team, hat man auch keine Chance. Der Computer Typ flankt den Ball, er fliegt und fliegt, die beiden Zwillinge und die Inderin rennen, werden sie den Ball bekommen? Kurz vor der gegnerischen Grundlinie springen alle mit dem Fuß nach vorne in Spagat um den Ball zu kriegen. Was ist denn da los? Wie beweglich sind denn bitte die geworden? Bei zwei reicht es noch nicht ganz runter aber zum Glück kommt der angebliche zweite Zwilling in Spagat und spielt den Ball gekonnt wieder ins Feld. Die drei Mädels stehen auf, passen sich den Ball zu, spielen den ersten Gegner aus, den zweiten, da eilen der dritte und vierte Gegner zu Hilfe.

Ouch! Das tat weh! Die zwei Gegenspieler sind ineinander gerauscht, da die Zwillinge geschickt ausgewichen sind. Sofort lassen alle den Ball liegen und rennen zu den zwei verletzten Spielern. Die 4 neuen Spieler helfen ihnen sofort auf und bringen sie zu ihrem Trainerteam, in dem sich zwei Ärzte befinden. Ich sage ihnen, dass ist doch mal geschickt, direkt zwei Ärzte vor Ort zu haben.

Der FC Musa versucht wirklich jedem diese Liebe entgegen zu bringen, zu helfen und jeden in seiner Entwicklung zu fördern. Wahnsinn! Auch wenn das wahrscheinlich nicht immer gelingt.

Ich kann ihnen sagen, diese Spieler sind in den letzten 7 Monaten persönlich gewachsen.

Es geht der Halbzeit zu, was man auch an der Spielweise merkt. Die Spieler passen sich nur noch den Ball zu, Sprints sind hier Mangelware! Aber wer kann es ihnen denn schon verübeln, wir haben hier mittlerweile 38 Grad. Die Hitze ist echt gemein, aber ich bin mir sicher, nach einer gewissen Zeit haben sich die Spieler etwas an die Hitze gewöhnt und sie spielen wieder wie bisher.

Aber jetzt geht es erst einmal in die Halbzeit. Auch ich mache jetzt eine kurze Pause, da etwas mit meinem Computer nicht stimmt und melde mich dann zur zweiten Halbzeit wieder.

 

So, da bin ich wieder mit einem funktionierenden Computer, den mir der Computer Typ vom FC Musa glücklicher weise repariert hat. Was ein vielfältiges Team. Da kann ich nur sagen: Hut ab!

Während die Spieler auf den Schiedsrichter warten, passen sie sich den Ball zu. Auf einmal haut die Inderin ein deutsches Sprichwort raus, alle rasten aus und feiern die Spielerin! Währenddessen springt der angeblich zweite Zwilling mit Kleidung in eine riesen Pfütze am Rande des Platzes, es scheint als habe sie eine Wette verloren.

Es kommt mir fast so vor, als sei der FC Musa im Urlaub. Das hatte ich ihnen ja noch gar nicht erzählt!  Ende des Jahres ist der FC Musa nach Kapstadt gereist um sich mit drei befreundeten Teams zu treffen. Sie haben erst zusammen Urlaub gemacht und danach noch eine Woche zusammen trainiert und sich über ihre bisherige Saison ausgetauscht. Das ist sicherlich aufregend, dies einmal haut nah mit zu erleben. Oder etwa nicht?

Der Schiedsrichter läuft auf den Platz und sofort stellen sich alle Spieler auf und sind höchst fokussiert und konzentriert. Wahnsinn, wie schnell die Spieler zwischen Spaß und Arbeit wechseln können, wobei es mir so scheint, als ob ihnen die Arbeit auch sehr viel Spaß macht.

Die zweite Halbzeit geht los, jeder ist voller Vorfreude was diese noch bringen mag und was für Erlebnisse noch auf die Spieler warten. Die Freude ist den Spielern ins Gesicht geschrieben, es macht einfach Spaß dem Spiel zu zuschauen! Die Spieler merken es zwar nicht, aber im Nachbarort macht sich der Corona-Regen breit. Ich hoffe wir werden hier davon verschont und müssen das Spiel nicht unterbrechen. Doch leider ist dies nicht der Fall, der Schiedsrichter bemerkt dies auch und bricht somit in der 70 Minute das Spiel ab. In der 70 Minute! Das kann doch nicht wahr sein, wie gerne hätten wir dieses Spiel zu Ende geschaut! Wir hatten 90 Minuten Sendezeit geplant, aber kein Problem, denn Pläne können sich ändern! Wir wollten ein einmaliges Spiel, hier haben wir ein einmaliges Spiel!

 

Die Spieler machen sich gemeinsam auf den Weg in die Kabine. Sie werden wahrscheinlich noch ein bisschen Zeit zusammen verbringen, bevor sie sich dann verabschieden müssen und nach Hause zurückkehren.

Es war ein Spiel mit Höhen und Tiefen, aus dem jeder etwas mitnehmen konnte und in dem Freundschaften entstanden sind. Vielleicht haben auch sie auf den Rängen neue Freundschaften geschlossen. Ich kann ihnen sagen, es lohnt sich, sich auf neue Menschen einzulassen und Zeit in sie zu investieren. Ich denke, jeder ist froh hier dabei gewesen sein zu dürfen. Und vielleicht bleibt ihnen ja auch ein Teil des Spiels im Herzen, ich werde es auf jeden Fall niemals vergessen! Hiermit verabschiede ich mich aus Empangeni, ihnen noch eine sichere Heimreise, einen schönen Tag und bleiben sie wegen dem Corona Regen zu Hause.

 

 

(Anm.: Jeder ist mit den gegebenen Namen im Text einverstanden)

Julia Kunert 2019_2020 Musawe Nkosi/Empangeni/Südafrika